Education free for all (at least for a month…)

Unter dem (Werbe-)Slogan Education free for all bietet der renommierte englische Verlag Routledge im April 2011 all seine 238 Education Journals kostenlos an. Für Studierende von EduMedia besonders interessant v.a. die Journals der Kategorie Open & Distance Education and eLearning.


Geschafft!

Diese Woche habe ich Post aus Duisburg erhalten: mein Master-Zeugnis (inkl. «Diploma Supplement»)! Damit ist der formelle Schlusspunkt unter ein Studium gesetzt, das mich in den letzten zweieinhalb Jahren intensiv beschäftigt hat. Wie intensiv, das zeigt sich erst jetzt, wo all die Lernaufgaben, die Klausurvorbereitungen und Medienprojekte wegfallen und die Freizeit auch wirklich freie Zeit bedeutet. Eine gewisse Leere ist spürbar nach dieser langen Ausrichtung auf ein Ziel. Ganz im Sinne von Oscar Wilde: «In dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien. Die eine ist, nicht zu bekommen, was man möchte, und die andere ist, es zu bekommen.» Aber damit kann ich leben!

Mein «Bordbuch» möchte ich weiterführen, auch wenn ich wohl wie bisher nur sporadisch darin schreiben werde. Nur den Untertitel werde ich ändern: «Blog von Urs Ingold zum digitalen Lernen und Leben». Das lässt genügend Spielraum für alle Arten von Gedanken…


Was ist ein MOOC?

MOOC steht für Massive Open Online Course und steht in engem Zusammenhang mit dem Konnektivismus, einer Theorie des Kanadiers George Siemens: Lernen bedeutet, Verbindungen in sozialen und technologischen Netzwerken herzustellen. «The pipe is more important than the content within the pipe.» (Siemens, 2005). Die Theorie nimmt Gedanken von Stephen Downes auf, eines anderen Kanadiers, der sich mit der Entstehung und Verbreitung von Wissen im digitalen Zeitalter beschäftigt. Als eine reale Umsetzung der Theorie kann das Konzept der MOOC gesehen werden: Ein MOOC ist ein kostenloser Online-Kurs, an dem sich viele Menschen auf der ganzen Welt beteiligen und die durch ihre Beiträge den Kurs gestalten. Initiiert und moderiert wird der Kurs von sog. «facilitators». Ein Beispiel dafür ist PLENK2010 (Personal Learning Environments Networks and Knowledge 2010), den Siemens und Downes mit anderen facilitators aus kanadischen Hochschulen organisierte.

Dave Cormier stellt das MOOC-Konzept anschaulich dar:

Ein MOOC stellt aber hohe Anforderungen an die Teilnehmenden, sowohl bezüglich Medienkompetenz als auch Selbstorganisation – so wie dies auch bei dem Personal Learning Environments (PLE) der Fall ist. Wie die PLEs sind auch MOOCs nicht für jede Zielgruppe geeignet. Jochen Robes erwähnt auch die individuellen, sozialen und technischen Barrieren, die einer Teilnahme an MOOCs im Wege stehen können.


Moodle auf dem Vormarsch

Die aktuelle Statistik von eduhub zur Verbreitung von LMS an Schweizer Hochschulen zeigt, dass Moodle weiter an Terrain gewinnt. Das auf dem deutschen Produkt Webweaver basierende Educanet ist v.a. an pädagogischen Hochschulen verbreitet. Mehrere Institutionen evaluieren zurzeit das E-Portfolio-System Mahara. Bei der Erhebung der Daten stellte sich offenbar einmal mehr die Frage, was eigentlich als LMS zu bezeichnen sei. Eduhub definiert LMS so:

LMS are web based environments that are specially made to support, organize and manage teaching and learning (including e-portfolio systems or e-learning groupware). Wikis, blogs or tools for topic assignment are not considered as LMS.

Es wird in Zukunft aber sicher immer schwieriger werden, LMS gegenüber anderen Werkzeugen und Plattformen, die das Lernen unterstützen, abzugrenzen.


Web 2.0: Nur wenige machen aktiv mit

Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, am 12.8.10 veröffentlicht, zeigen: die passive Nutzung von Web 2.0-Anwendungen wie Wikipedia, Twitter oder YouTube steigt, aber das Interesse an aktiver Teilhabe sinkt. Damit bestätigt sich das Bild aus früheren Jahren: Die meisten Angebote werden durch eine nur geringe Zahl von Internetnutzern mit Inhalten versorgt; der Kreis der aktiven Web-2.0-Nutzer sinkt bei den meisten Anwendungen. Das Web 2.0 ist aus Sicht der Studienautoren nicht in erster Linie darum attraktiv, weil es das Mitmachen ermöglicht, sondern weil es das klassische Nutzungsbedürfnis nach Information und Unterhaltung erfüllt.


Online-Podium: “Vorlesungen einmal anders…”

Veranstaltungstipp: Montag, 28.6.2010, 14:00 Uhr

Im e-teaching.org-Online-Podium stellen Prof. Dr. Gabi Reinmann (Universität der Bundeswehr München), Prof. Dr. Karsten Morisse (FH Osnabrück) und Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen) ihre unterschiedlichen Konzepte vor, durch den Einsatz digitaler Werkzeuge «Vorlesungen einmal anders …» zu gestalten.


Flash Wars

Adobe’s Flash wird  auf dem iPhone, dem iPod touch und dem neuen iPad nicht dargestellt, weil Apple kein Flash-Plugin für den Safari-Browser zulässt. Apple geht damit sein längerem auf Konfrontation mit der Firma Adobe, der Steve Jobs kürzlich vorwarf, “faul” zu sein und eine “veraltetete” Technologie zu verbreiten. Apple setzt stattdessen für interaktiven Content ganz auf HTML 5, CSS 3 und JavaScript. Der große Marktanteil von iPod und iPhone bei der mobilen Nutzung des Internets erlaubt es Apple, die Muskeln spielen zu lassen und Flash von ihren Geräten auszusperren.

Nun hat Apple diesen Kurs noch verstärkt: Mit der Ankündigung des neuen iPhone OS 4.0, das u.a. Multitasking erlaubt, hat Apple die Lizenzbestimmungen für Entwickler von Apps geändert. Sie untersagen die Verwendung eines “intermediary translation or compatibility layer or tool,” was Werkzeuge wie Adobe’s Flash, Sun’s Java, oder Microsoft’s Silverlight ausschließt. (Zur Erinnerung: jede “App”, die für das iPhone geschrieben wird, muss von Apple genehmigt werden, damit sie via AppStore vertrieben werden kann.)

Dieser Schritt scheint direkt gegen Adobe gerichtet, die am 12. April ihre neue Creative Suite 5 mit einer neuen Flash-Version vorstellen wird. Diese hätte es Entwicklern erlaubt, Flash-Inhalt direkt in eine iPhone-Applikationshülle zu packen und somit in eine “richtige” App zu verwandeln. Doch genau dies wird jetzt durch Apple’s Lizenzbestimmungen untersagt. Apple nennt technische Gründe im Zusammenhang mit ihrer Implementation des Multitasking auf dem iPhone, doch manche Beobachter meinen, dass sich Apple damit vor einer Flut an billigen, rasch konvertierten Flash-Progrämmchen (“Shovelware”) schützen (und obendrein Adobe eins auswischen) will.

Was immer die Gründe sein mögen, die Apple zu diesem Schritt bewogen haben Für Entwickler von Lernsoftware war und ist Flash ein hilfreiches Werkzeug. Viele Quiz-Generatoren oder PowerPoint-Konverter (etwa iSpring) basieren auf Flash. Gleichzeitig wird die mobile Nutzung des Internets auch für das Lernen immer wichtiger, und hier sind die Geräte von Apple ein gewichtiger Player. Doch was tun, wenn all die Lernspiele, Quizzes, Slideshows und Animationen auf diesen Geräten nicht laufen? Noch ist HTML 5 nicht offizieller Standard, und entsprechende Entwicklungstools für Nicht-Programmierer gibt es nicht. – Wir können also nur hoffen, dass Apple und Adobe sich letztlich zusammenraufen und eine Lösung finden, aber im Moment sieht es nicht danach aus. Oder hat jemand eine Lösung?


Lesetipp: “E-Learning” von G. D. Rey

Der Psychologe Günter Daniel Rey gibt in seinem Buch “E-Learning. Theorien, Gestaltungsempfehlungen und Forschung” einen gerafften Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Lernen mit Medien und leitet aus den Forschungsergebnissen konkrete Hinweise zur Gestaltung von Lernumgebungen ab. Für Studierende, die vor der Masterarbeit stehen, ist das Kapitel 4, Forschung, besonders hilfreich: Es erklärt, wie man eine empirische Untersuchung zum Thema E-Learning plant, durchführt, auswertet und schließlich zu Papier bringt.

Wer die 30 Euro scheut, findet den gesamten Inhalt auch auf der Website zum Buch: http://www.elearning-psychologie.de/


Gute Vorsätze fürs neue E-Learning-Jahr

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich ein gutes neues Jahr!

Wer das neue E-Learning-Jahr mit guten Vorsätzen beginnen möchte, erhält im eLearn Magazine vom 17.12.09 einige Anregungen (gefunden via netzlernen.ch). Auf bewährte (angelsächsische) Weise werden dort 10 Ways to Ensure Distance Learning Success aufgezählt:

Hier die 10 Punkte im Original, plus mein Versuch, die Anregungen auf EduMedia zu beziehen:

  1. Read the Syllabus and Use it as a Roadmap
    Lies den Lehrplan und verwende ihn als Orientierungshilfe.
  2. Turn in All Assignments Complete and on Time
    Gib alle Lernaufgaben pünktlich und vollständig ab.
  3. Follow Online Resources Carefully Week by Week
    Lies alle Ressourcen im OC sorgfältig und regelmäßig.
  4. Search for One New Idea in Every Class Session, Assignment, and Reading
    Suche in jedem Gruppentreffen, in jeder Aufgabe und in jedem Studienbrief nach neuen Ideen.
  5. Support and Encourage Fellow Classmates
    Unterstütze und ermutige deine Mitstudierenden (z.B. vor und nach Klausuren).
  6. Contribute to Discussions
    Beteilige dich an Diskussionen (z.B. im OC-Forum).
  7. Stay Organized
    Halte Ordnung in deinen Unterlagen und Dokumenten.
  8. Never Procrastinate
    Schiebe Arbeiten (Lernaufgaben, Medienprojekte, Masterarbeit…) nicht auf.
  9. Consider How Your Experience Fits Into the Discussion
    Bring deine Erfahrung beim gemeinsamen Lernen ein.
  10. Set Long-Term Goals
    Setze dir langfristige Ziele (d.h. für die Zeit nach Studienabschluss)

Aber vielleicht nimmt man sich auch Erich Kästner zu Herzen «und bessert sich einfach drauflos».


Berufsbegleitendes Studium – eine Illusion?

Heute ist mir eine Werbung der Fernfachhochschule Schweiz aufgefallen: «Fernstudium: Studieren neben Beruf und Familie. Mit den flexiblen Studiengängen der Fernfachhochschule Schweiz passen Weiterbildung, Beruf und Familie unter einen Hut.» Hmm… Meine Erfahrungen mit dem real existierenden E-Learning aus EduMedia lassen mich an diesen Versprechungen zweifeln. Mir scheint, dass die Leute dermaßen von ihren Berufen absorbiert werden, dass kaum Zeit fürs Studium bleibt. Ich arbeite 80% und habe so einen ganzen Tag unter der Woche fürs Studium zur Verfügung, aber damit bin ich privilegiert. Viele Arbeitgeber lassen Teilzeitarbeit nicht zu. Die Einkommenseinbuße ist zudem für viele nicht zu verkraften, besonders für Leute mit Familie.

Natürlich schätze ich es, dass ich nicht jede Woche nach Duisburg reisen muss. Aber Präsenzveranstaltungen haben immerhin den Vorteil, dass sie bindend sind und ein Minimum an Austausch garantieren. Für den Arbeitgeber, die Familie und Freunde ist die Botschaft zudem klar: «er/sie geht an die Uni und ist heute nicht verfügbar». E-Learning hingegen ist «unsichtbar» und wird von Außenstehenden meist nicht wahrgenommen. So herrscht permanente Zeitnot, das Studium reduziert sich aufs möglichst effiziente Bearbeiten der Lernaufgaben und auf Auswendiglernen der  Fakten aus den vorgeschriebenen Studienbriefen kurz vor den Klausuren.

Das ist keine Kritik am Studiengang EduMedia. Die Werkzeuge und Strukturen für einen Austausch sind alle da, und in der Studienausschreibung wird klar signalisiert, dass man rund 15 Stunden pro Woche fürs Studium aufwenden müsse. Also alles nur eine Frage der Selbstdisziplin und des Zeitmanagements?

Auch die erwähnte Fernfachhochschule relativiert das schöne Bild etwas: «Nicht immer stimmen die Vorstellungen, die sich Interessenten von einem Fernstudium machen, mit der Realität überein. Möchten Sie wissen, ob Sie die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Fernstudium mitbringen? Der Online-Test gibt Antworten.» Den Test habe ich noch nicht gemacht – aus Zeitgründen natürlich…


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