Personal Learning Environments in der Schule

Am 13. März 2009 fand an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz die Fachtagung «Personal Learning Environments in der Schule» statt. Thomas Stierli hat bereits seine Eindrücke im BullinoBlog veröffentlicht, die ich weitgehend teile. Deshalb meinerseits nur einige Ergänzungen:

In seinem Eröffnungsreferat bezeichnete Beat Döbeli Personal Learning Environments (PLE) als Kombination von persönlicher Hardware der Lernenden und von Software (lokal installiert oder als Online-Dienst). Bildungsinstitutionen müssten sich die Frage stellen, wie sie diese persönlichen Geräte in ihre ICT-Infrastruktur integrieren können. Er kündigte ein iPhone-Pilotprojekt an, das an der Projektschule Goldau, gesponsert von Swisscom, im Herbst 2009 starten soll. Eine ganze Primarschulklasse wird dabei mit iPhones ausgerüstet werden.

Die Keynote von Michael Kerres hieß «Personal Learning Environments: Von der Lehr- zur Lernform?». Er umriss die Merkmale des Web 2.0 und dessen Auswirkungen auf das Lernen («Learning 2.0 als Performing») und leitete daraus Konsequenzen für die LMS-Konzeption ab:

  • Web 1.0: LMS als isolierte Inseln, die alle Tools und Dienste selbst anbieten, gegen außen geschlossen
  • Web 2.0: LMS als permeable, verknüpfte Systeme. Lernen findet auch außerhalb der LMS statt. Die Angebote im Web, welche die Lernenden persönlich nutzen, müssen eingebunden werden. Als Beispiel nannte er den EduMedia-Studierendenblog: jeder Student bloggt im System seiner Wahl, die Inhalte werden via RSS-Feeds eingebunden. Das LMS als Community CMS (etwa Drupal) aggreggiert Inhalte aus unterschiedlichsten Quellen.

Konsequenzen sieht er auf der Ebene der Infrastruktur, der Ausbildung und des Contents:

  • Infrastruktur: ubiquitären Zugang zum Internet sichern (Netbooks, Smartphones usw.). Ausstattung der Schulräume überdenken: Ist eine starre, frontal ausgerichtete Bestuhlung noch zeitgemäß?
  • Ausbildung: mehr als «nur» Lehrerfortbildung ist die Integration von PLEs Teil der Schulentwicklung und des Change Managements.
  • Content: vermehrter Einsatz von Open Educational Resources, Communities of Practice

PLEs stellen Bildungsinstitutionen vor Herausforderungen in folgenden Punkten:

  • Komplexität («keep it simple, stupid»?)
  • Kosten-/Nutzen-Verhältnis
  • Kompatibilität zu Lehrplänen/Curricula
  • Rahmenbedingungen
  • Privatheit vs. Öffentlichkeit. PLEs sind, anders als LMS, nicht geschützt. Lernen heißt Fehler machen; aber sollen die Fehler öffentlich sichtbar werden?

In seiner Keynote widmete sich Rolf Schulmeister der Frage «PLE zwischen Alltäglichem und Besonderem: Was konstituiert eigentlich eine LERNumgebung?» Am Beispiel seines eigenen PLE zeigte er, dass ein PLE weit mehr ist als Hard- und Software: Es umfasst auch seine (Lern-)Geschichte, seinen Arbeitsplatz, seine Bibliothek, seine Mitarbeitenden, ja seine ganze Umwelt. Zum andern warnte er vor dem Wunschdenken, dass die Verfügbarkeit von PLE automatisch Lernprozesse auslöst. So bleibe der Medieneinsatz von Jugendlichen vielfach banal. «Ein PLE ist nicht Anstoß, Quelle oder Motiv für das Lernen.» Diese müssten von außen, von den Bildungsinstitutionen her kommen.

Seine Folgerungen und Forderungen:

  1. PLE sind mehr als nur Technik. Wir müssen den Blick aufs Ganze behalten.
  2. PLE machen geplantes und intendiertes Lehren nicht überflüssig.
  3. Man darf nicht nur Aufgaben stellen, die sich in PLE abbilden lassen.

Die Referate und Präsentationen werden in der kommenden Woche auf der Tagungswebsite veröffentlicht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gebeten, ihre Beiträge zur Tagung im Web mit dem Tag #PLE09 zu versehen. So lassen sich die Reaktionen leicht abrufen.



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